Unterricht: Aktiv Demokratie lernen

Praxistipps für den Unterricht

Es gibt viele Möglichkeiten, Bildung gegen autoritäre Haltungen im Unterricht umzusetzen. Die folgenden drei Beispiele empfiehlt Geschichtslehrer Lars-Steffen Meier aus seiner Praxis.

1. Planspiele ermöglichen Schüler*innen einen hohen Grad an Handlungsorientierung.

Planspiele sind ein Klassiker in der politischen Bildungsarbeit: So geht’s:

  • In einem fiktiven oder aus der aktuellen Politik entlehnten Szenario schlüpfen die Schüler*innen in aktive Rollen und handeln politische Entscheidungen aus. Es gibt sehr viele verschiedene Planspiele mit unterschiedlicher Komplexität. Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet auf ihrer Webseite eine umfangreiche Sammlung solcher Planspiele an.

Eine besondere und relativ einfach umzusetzende Form des Planspiels ist das „Inselspiel“:

So geht’s:

  • Ausgangssituation: Die Schüler*innen stranden auf einer einsamen Insel und müssen ihr Überleben sichern. Die bisher bekannten Regeln werden außer Kraft gesetzt. Aufgabe der Schüler*innen ist es nun, Regeln und Sanktionen aufzustellen, die ihnen ein friedliches Miteinander garantieren.
  • Je nach Lerngruppe und Altersstufe kann der Komplexitätsgrad beliebig angepasst werden: So kann die Ausgangssituation komplexer oder konfliktreicher gestaltet werden oder es können Modelle von unterschiedlichen Staatsformen vorgegeben werden.
  • Wichtig ist in jedem Fall eine abschließende Reflexionsrunde, bei der beispielsweise alle Schüler*innen folgende Fragen beantworten: Wie hast du den Entscheidungsprozess erlebt? Wie hast du die Art und Weise der Entscheidungsfindung empfunden? Wie zufrieden bist du mit den beschlossenen Regeln und Sanktionen? 

2. „Aktuelle Stunden“ fördern die Medienkompetenz von Schüler*innen.

Eine „aktuelle Stunde“ kann als Ritual einmal wöchentlich zu Beginn der Unterrichtsstunde eingeführt oder im Rahmen der Klassenratsstunde durchgeführt werden:

So geht’s:

In der „aktuellen Stunde“ soll auf aktuelle Entwicklungen und Nachrichten eingegangen werden. Denkbar sind verschiedene Vorgehensweisen: Es können reihum Schüler*innen dazu aufgefordert werden, für sie interessante Meldungen vorzustellen, die sie im Radio, Fernsehen oder in den sozialen Medien gehört oder gesehen haben. Es kann aber auch Raum für Themen sein, die aus Sicht der Lehrkraft wichtig sind und zu denen die Schüler*innen recherchieren sollen.

3. Austausch mit Politiker*innen gibt Schüler*innen Einblick in die politische Praxis

Es lohnt sich immer, Vertreter*innen aus der Politik in die Schule einzuladen oder staatliche Institutionen wie Rathäuser oder den Landtag zu besuchen:

So geht’s:

  • Die Einladung von Politiker*innen in den Unterricht sowie der Besuch von staatlichen Institutionen kann zu konkreten Anlässen wie dem Europatag oder zu besonderen Gedenktagen wie dem 9. November geschehen, aber auch in den laufenden Unterricht integriert werden.
  • Es gibt auch spezielle Besuchsprogramme, die es Schulen ermöglichen, Kontakte zu den staatlichen Institutionen zu knüpfen. Beispielsweise bietet das Präsidium des nordrhein-westfälischen Landtags das Programm Präsidium macht Schule an, bei dem Mitglieder des Landtagspräsidiums in die Schule eingeladen werden.
  • Besuche von staatlichen Institutionen und Diskussionsrunden sollten mit und vor allem von den Schüler*innen geplant werden. Es sollte festgelegt werden, wer die Moderation übernimmt, und vor allem sollten im Vorfeld Fragen gesammelt und diskutiert werden, die die Vertreter*innen aus der Politik beantworten sollen. Auch die Funktion des Besuchs sollte vorher im Unterricht thematisiert werden. Nach dem Besuch sollte die Diskussionsrunde ausgewertet und reflektiert werden.

Texte von Lars-Steffen Meier
Geschichtslehrer an der Wilhelmvon-Humboldt-Gesamtschule in Grevenbroich

Foto: freepik

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