Tipps für deinen nachhaltigen Alltag

Warum sich ein nachhaltiges Leben lohnt

Wer wünscht sich nicht oder ist sogar gezwungen heute mehr denn je die eigene Lebensweise zu überdenken und nachhaltiger auszurichten? Christoph Schulz, Initiator des Projekts CareElite, Buchautor und Blogger, gibt Tipps für deinen nachhaltigen Alltag. Weitestgehend funktionieren sie unabhängig von finanziellen Ressourcen. Was du aber immer brauchst: den Willen, etwas Zeit und auch ein wenig Leidenschaft. Beginne klein und steigere dich Tag für Tag.

12 Tipps für mehr Nachhaltigkeit in deinem Alltag

  1. Werbung – Nein Danke! Über eine Million Tonnen unadressierte Werbung landet in deutschen Briefkästen jährlich – und schätzungsweise 90 Prozent davon direkt im Müll. Mit einem sichtbaren Aufkleber kannst du Unmengen Papier- und Plastikmüll sparen.
  2. Auf Ökostrom umsteigen Auf den ersten Blick ist es egal, woher der Strom aus der Steckdose stammt. Das Smartphone lädt sich so oder so auf. Doch wie der Strom hinter den Kulissen erzeugt wird, entscheidet darüber, wie nachhaltig ein Haushalt tatsächlich ist. Kohle- und Atomstrom zählen zu den Umweltsündern. Du kannst schnell auf regenerative Energie aus Solar-, Wind- oder Wasserkraft von reinen Ökostromanbietern umsteigen und zahlst am Ende meist nicht mehr. Damit trägst du zum Schutz der Umwelt und Innovation in diesem Bereich bei.
  3. Mehrweg statt Einweg In Deutschland werden stündlich rund 320.000 Einweg-Becher für Heißgetränke verbraucht. Und eine Plastiktüte hat meist nur eine Einsatzzeit von 18 Minuten, bevor sie in den Müll wandert. Hab deine wiederverwendbare Alternative immer dabei: wie einen verschließbaren Becher oder einen waschbaren Baumwollbeutel. Nutze textile Alternativen für alle Wegwerfprodukte in Bad und Küche – das ist wesentlich ressourcenschonender.
  4. Leitungswasser statt Mineralwasser Abgepacktes Wasser aus Plastikflaschen ist etwa 250-mal teurer als das Wasser aus dem Hahn – und trägt durch die Privatisierung von Wasserquellen zur Austrocknung ganzer Regionen bei. Ein Umstieg auf günstigeres Leitungswasser und eine wiederverwendbare Trinkflasche wirkt diesem Problem entgegen.
  5. Weniger ist mehr Beim Wocheneinkauf und im Haushalt kannst du an vielen Stellen deinen Alltag bewusst nachhaltiger gestalten und Geld sparen: Halte die Augen offen nach Ware ohne Verpackung und kaufe regional. Kaufe kleinere Mengen, die du garantiert verwerten wirst. Schau regelmäßig in den Kühlschrank und alle Vorratsschränke, um die Verschwendung von Lebensmitteln und Drogerieartikeln zu vermeiden. Beim Putzen und bei der Körperpflege kannst du auf ökologische Mittel zurückgreifen, wenig davon nutzen und auf deinen Wasserverbrauch achten.
  6. Klimaschonend unterwegs Flugzeuge und Autos stoßen enorme Mengen CO2 aus – ein Gas, das wesentlich zur Klimaerwärmung beiträgt. Wer regelmäßig auf das Fahrrad oder die Bahn umsteigt oder zu Fuß läuft, schont das Klima und trägt zu mehr Investitionen in diesen Bereichen bei. Bist du auf dein Auto angewiesen? Dann bilde beispielsweise eine Fahrgemeinschaft, um die regelmäßigen Fahrten noch nachhaltiger zu machen.
  7. Bewusster Umgang mit Mode Während früher Sommer- und Wintermode angepriesen wurde, gibt die sogenannte Fast-Fashion-Industrie heute neue Trends im Wochentakt vor. Unmengen Ressourcen für Kleidung werden so überflüssig – und noch verkäufliche, aber scheinbar ungewünschte Kleidungsstücke verbrannt. Die Herstellung kurzlebiger Billigkleidung findet unter lebensgefährlichen Bedingungen der Arbeiter*innen in den Fabriken statt und mit giftigen Chemikalien – ein Desaster für Natur und Mensch. Ein minimalistischer Kleiderschrank und die Bevorzugung von langlebiger Qualitätsware ist ein wichtiger Schritt in einen nachhaltigeren Alltag. Das Kompetenzzentrum Verbraucherforschung hat eine verbraucherorientierte Analyse zum Thema erstellt.
  8. Grüner Balkon und Garten Triste Schottergärten und graue Balkone mögen pflegeleicht sein – doch sie vernichten alles Leben rundherum. Tiere und Insekten finden dort weder Nahrung noch Nektar, Nistmaterial oder Unterschlupf. 75 Prozent der Gesamtmasse an Fluginsekten waren innerhalb von 25 Jahren bis 2016 aus Deutschland verschwunden. Wer Balkon und Garten hingegen in ein naturnahes Paradies verwandelt mit Pflanzen und Blumen, Nistkästen und Bienenhotels, kann bequem in der Hängematte liegen, das Treiben im eigenen Grün und begleitet von Vogelgezwitscher beobachten. Damit wirkst du dem globalen Artensterben gezielt entgegen!
  9. Fleischkonsum überdenken Der „Umweg Tier“ ist extrem energie- und flächenintensiv. Die Liste der Folgen und Probleme der Massentierhaltung ist lang: Wasserverbrauch, Regenwaldabholzung für Weideflächen und Tierfutteranbau, Antibiotikaeinsatz, Qualen für die Nutztiere. Mit bewusstem Fleischkonsum kannst du schon viel ändern, mit der Umstellung auf pflanzliche Alternativen noch viel mehr. Wenn du noch mehr tun möchtest, achte beim Kauf deiner pflanzlichen Alternative auf die Herkunft und Herstellung.
  10. Ecosia statt Google Die meisten von uns nutzen Suchmaschinen im Internet mehrmals täglich. Wusstest du, dass es schon seit 2009 eine ökologische Suchmaschine mit Sitz in Berlin gibt, die mit einem Großteil ihrer Einnahmen Bäume auf der ganzen Welt pflanzt? Das tut sie natürlich nicht selbst, sondern mit Spenden an Organisationen, die das vor Ort in die Hand nehmen. Bis Februar 2021 wurden so schon 120 Millionen Bäume im Auftrag von Ecosia gepflanzt! Du kannst deine Suche im Internet von jetzt an also nachhaltig gestalten und somit zu mehr Grün auf der Welt beitragen.
  11. Nachhaltiges Banking und Investieren Banken nutzen das angelegte Geld ihrer Kund*innen. Wie sie es nutzen entscheidet wesentlich darüber, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussieht. Entscheide dich deshalb für eine nachhaltige Bank, die ganz bewusst Investitionen in die Waffenindustrie, Glückspiel, Kinderarbeit oder Kohle- und Atomkraft ausschließt. Du kannst auch selbst aktiv werden: Wenn du dein Geld anlegst, investiere in nachhaltige Unternehmen oder Projekte, um die Veränderung in unserer Gesellschaft zu beschleunigen.
  12. Selbst aktiv werden Ein eigener, nachhaltiger Alltag kann Wunder bewirken. Wer das nachhaltige Handeln in unserer Gesellschaft außerhalb seines eigenen Dunstkreises noch weiter beschleunigen will, kann aktiv werden: Indem du beispielsweise digitale Unterschriftenaktionen gegen Herausforderungen in unserer Gesellschaft startest, teilst oder unterzeichnest, kannst du einen echten Unterschied machen. Du kannst (Plastik-)Müll aufsammeln – ob im Strandurlaub oder beim Gassi gehen mit dem Hund – und mit jedem Stückchen die Welt um dich herum ein bisschen sauberer machen. Mit dem „Plogging“ hat sich aus diesem Grundgedanken sogar eine eigene, umweltschonende und gesundheitsfördernde Sportart entwickelt. An friedlichen Demonstrationen auf der Straße oder im Netz kannst du jederzeit teilnehmen und dich so für die Beseitigung von Missständen stark machen.

Mach dich schlau! Fundierte Informationen rund ums Thema Nachhaltigkeit

  • Unsere Welt neu denken. Eine Einladung von Maja Göpel | ISBN 978-3-548-06466-6, 208 Seiten, Februar 2020: Das Buch hilft ungemein dabei, das eigene alltägliche Handeln zu hinterfragen und das Umdenken in die Tat umzusetzen. Zur Homepage von Maja Göpel >>
  • Nachhaltig leben für Einsteiger. Schritt für Schritt den Unterschied machen | ISBN 978-3-7474-0089-0, 304 Seiten, Dezember 2019: In diesem Buch erläutert Autor Christoph Schulz haargenau die menschengemachten Umweltprobleme unserer Zeit und wie jede*r einzelne von uns zu ihrer Lösung beitragen kann. Zur Buchvorstellung >>
  • enorm. Zukunft fängt bei dir an | enorm-magazin.de: Die unabhängige Redaktion vom Magazin enorm informiert über alle Themen des nachhaltigen, gesellschaftlichen Wandels. Zum Magazin enorm >>
  • Besser leben. Nachhaltig im Alltag mit dem Umweltkommissar | Podcast vom Bayerischen Rundfunk B1 | Über BR-Mediathek oder Podcast-App hören: Wann immer es die Zeit zulässt, solltest du diesen inspirierenden Podcast für einen nachhaltigeren Alltag hören. Dort werden beispielsweise Fragen wie „Muss es wirklich immer bio sein?“ beantwortet. Zum Podcast in der BR-Mediathek >>
  • The True Cost. Der Preis der Mode | Andrew Morgan | Dokumentation, USA 2015, Untold Creative, LLC.: Dieser Film zeigt, warum Billigmode einen viel höheren Preis hat, als das Etikett vermuten lässt. Zur Filmseite >>
  • Fast Fashion – Die dunkle Welt der Billigmode | ARTE, Edouard Perrin | Dokumentation, Frankreich 2020| Aus der ARTE-Mediathek: Die Bekleidungsindustrie überschüttet den Planeten geradezu mit Textilien: Fast Fashion hat die Textilbranche von Grund auf verändert. 56 Millionen Tonnen Kleidung werden jährlich verkauft. Influencer und Neuromarketing sorgen für steigenden Absatz. Doch die Billigkleidung hat einen hohen Preis wie etwa prekäre Beschäftigungsverhältnisse und die katastrophale Umweltbilanz. Zur Dokumentation in der ARTE-Mediathek (bis 06.06.2021) >>
  • Cowspiracy. Das Geheimnis der Nachhaltigkeit | Kip Andersen & Keegan Kuhn | Dokumentation, USA 2014, A.U.M. Films & First Spark Media: Eine Dokumentation, die kaum besser veranschaulichen könnte, wie sehr die intensive Viehwirtschaft unsere Umwelt und das Weltklima beeinflusst. Zur Filmseite >>

So erkennst du fair gehandelte und ökologisch einwandfreie Produkte

  • IVN Best und GOTS >> Das Zertifikat des Internationalen Verbands der Naturtextilwirtschaft e.V. beurteilt auf strengste Weise die gesamte Lieferkette von Naturtextilien – vom landwirtschaftlichen Anbau der Fasern bis zum fertigen T-Shirt. Es übertrifft das Zertifikat Global Organic Textile Standard (GOTS), das weniger strenge Kriterien ansetzt, aber ebenfalls hohe Standards hat.
  • Fairtrade >> Der TransFair e.V. vergibt Fairtrade-Siegel und zeichnet damit Produkte aus, bei denen alle Zutaten zu hundert Prozent physisch rückverfolgbar aus fairem Handel stammen.
  • EU-Bio >> Europaweit erhalten dieses bekannte Siegel Bio-Produkte und Lebensmittel, die im Sinne des ökologischen Landbaus hergestellt wurden. Das heißt zum Beispiel, dass Tiere artgerecht gehalten, gefüttert und Lebensmittel umweltschonend verarbeitet werden. Allerdings stehen die Kriterien des Siegels oft als zu lasch in der Kritik. Die Zertifizierung ist die Voraussetzung für die drei größten deutschen Bioverbände: Demeter, Naturland und Bioland.
  • Demeter >> Demeter ist die nachhaltigste Anbauweise von Lebensmitteln, die langfristig die Bodenfruchtbarkeit sichert und die natürlichsten und wertvollsten Lebensmittel hervorbringt. Von den vielen Siegeln für ökologische Lebensmittel hat Demeter die strengsten Richtlinien für alles rund um Landwirtschaft und Tierhaltung.
  • TourCert >> Dieses Siegel der TourCert gGmbH mit dem Slogan „Travel for Tomorrow“ bewertet sowohl die Reiseunterkünfte selbst als auch die nachhaltigen Freizeitangebote in der Umgebung und bestätigt Nachhaltigkeit und Unternehmensverantwortung des jeweiligen Veranstalters.
  • FSC >> Der Forest Stewardship Council zertifiziert weltweit Wälder und Produktketten und vergibt das FSC-Warenzeichen für Produkte. Es werden Holz- und Papierwaren aus verantwortungsvoller Forstwirtschaft ausgezeichnet.
  • MSC >> Mit dem Siegel des unabhängigen Marine Stewardship Council werden Fische und Meeresfrüchte aus nachhaltiger, artenschonender Fischerei ausgezeichnet.
  • FLUSTIX Plastikfrei-Siegel >> Manchmal trügt der erste Eindruck. Mit einem der vier Siegel der FLUSTIX GmbH wird der Plastikanteil im Produkt deutlich gekennzeichnet.

Nicht überall, wo bio draufsteht, ist auch zu 100 Prozent bio drin

Wenn Fast Fashion Modemarken mit Kleidungstücken auf Bio-Baumwolle werben, gilt es genauer hinzuschauen. Der Anteil von Bio-Baumwolle auf dem Weltmarkt ist im Vergleich zur konventionellen Baumwolle verschwindend gering. Im Gegensatz dazu entsteht der allgemeine Eindruck, dass heutzutage besonders viele Marken auf Bio-Baumwolle umsteigen. Doch oft wird lediglich ein kleiner Teil des Angebots aus Bio-Baumwolle produziert – diese Entscheidung aber gezielt beworben. Gleiches gilt für Bio-Lebensmittel, die beispielsweise lediglich das EU-Bio-Siegel tragen: Die Richtlinien für Lieferketten, Hofbewirtschaftung, Tierhaltung und Tiertransport sind nicht vorhanden oder derart lasch, dass ein zusätzliches Siegel mit strengeren Kriterien immer zu bevorzugen ist.

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