Unterrichten in fremden Ländern: Zum Schluss noch mal durchstarten?

Ruheständler*innen an deutschen Auslandsschulen

Nicht nur in NRW macht der Lehrkräftemangel vielen Schulen zu schaffen. Auch viele deutsche Auslandsschulen sind unterversorgt. Häufig können sie nur gegensteuern, indem sie Pensionär*innen einsetzen. Eine spannende Perspektive für Ruheständler*innen aus Deutschland.

Ein Beispiel unter vielen: Das erst 2014 gegründete und nach wie vor wachsende IELEV-Gymnasium in Istanbul sucht immer wieder Kolleg*innen, die nach einem langen Schuldienst noch etwas Neues ausprobieren wollen. Oder – back to the roots – an alte Erfahrungen an einer Deutschen Auslandsschule (DAS) anknüpfen möchten.

Die Abkürzung IELEV steht für Istanbul Erkek Liseliler Eğitim Vakfı, zu Deutsch: Erziehungsstiftung der Ehemaligen des Istanbul-Erkek-Lisesi-Gymnasiums. Als anerkannte DAS und International Baccalaureate (IB) World School bereitet das private IELEV-Gymnasium seine Schüler*innen auf das Gemischtsprachige Internationale Baccalaureat (GIB) vor. Mit diesem Abschluss können sie in Österreich, Deutschland, der Schweiz und allen anglophonen Ländern ein Studium aufnehmen.

Unterricht auf Deutsch und Englisch

Auch für erfahrene Lehrkräfte ist es eine Herausforderung, im nur fünfjährigen türkischen Gymnasium Schüler*innen so weit vorzubereiten, dass sie die sechs Examensfächer erfolgreich bestehen können, mindestens drei davon in deutscher Sprache.

An dieser wie an allen GIB-Schulen – die meisten davon in Lateinamerika – werden vor allem Lehrkräfte für die auf Deutsch unterrichteten Fächer gesucht: Biologie, Chemie, Geschichte und natürlich Deutsch in Kombination mit zum Beispiel Sport, Englisch oder Musik. Manchmal gehört auch Philosophie dazu, häufig das IB-Fach Theory of Knowledge, also Erkenntnistheorie. Mathematik und Physik werden in Istanbul auf Englisch, in Lateinamerika auf Spanisch unterrichtet.

Arbeiten und Leben im Ausland

Lehrer*innen, die an einer deutschen Schule im Ausland unterrichten möchten, müssen nicht zwingend bereits Erfahrung mit dem (G)IB-System haben. Die Schulen organisieren die notwendige Fortbildung.

Das IELEV-Gymnasium sorgt darüber hinaus ebenso für ein Gehalt, von dem man in der Megacity Istanbul gut leben kann, es finanziert Heimatflüge und einen Dienstlaptop, unterstützt bei der Wohnungssuche und beim Einleben. In der Schule arbeitet ein engagiertes internationales Kollegium zusammen und kann eine hervorragende technische Ausstattung nutzen.
Noch eine weitere, wichtige Information für interessierte Kolleg*innen: Da an GIB-Schulen nicht das deutsche Abitur angeboten wird, müssen Lehrkräfte nicht zwingend die Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II oder das Gymnasium mitbringen. Es kommt weniger auf die formale Qualifikation an als vielmehr auf die tatsächliche. Und die hängt nicht unbedingt von den früher einmal abgelegten Examina ab.


Michael Schopp
von 2003 bis 2009 Schulleiter des IEL-Gymnasiums

Foto: iStock.com / FG Trade

 

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Michael Schopp
ehemaliger Schulleiter des IEL-Gymnasiums
E-Mail: michaels@ielev.org.tr

GEW-Arbeitsgruppe Auslandslehrer*innen
E-Mail: agal@gew-nrw.de

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