JA13: Jetzt Druck aufbauen!

Aktionen für faire Bezahlung in NRW

Bundesweit machen GEW-Aktive im November mobil, um A13 / E13 als Eingangsbesoldung für alle Lehrkräfte in der Grundschule und in der Sekundarstufe I zu erreichen. Frauke Gützkow, Leiterin des Vorstandsbereichs Frauenpolitik bei der GEW, zum aktuellen Stand.

Bereits im vierten Jahr ruft die GEW im November zu JA13-Aktionen auf. Was wurde bisher erreicht?

Frauke Gützkow: Einiges. Für Grundschullehrkräfte ist A13 – oder E13 im Fall der Angestellten – in Brandenburg, Berlin und Sachsen umgesetzt worden. In Bremen und Schleswig-Holstein wurden Stufenpläne vereinbart; in all diesen Ländern ging es auch um diejenigen Lehrkräfte an Schulen der Sekundarstufe I, die noch nach A12/E11 bezahlt wurden. In Thüringen werden ab 2020 Regelschullehrkräfte, also die dortigen Lehrer*innen an Sekundarschulen, in A13 eingruppiert. Am 1. Juli 2019 gab die niedersächsische Landesregierung bekannt, Grund-, Haupt- und Realschullehrkräften eine monatliche Zulage von 94,25 Euro zu zahlen. In zwei  Ländern – Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg – laufen Gespräche mit den Landesregierungen.

Ist mit einem Dominoeffekt zu rechnen? Werden die anderen Länder sich anschließen müssen?

Frauke Gützkow: Leider nein. Insbesondere in den fünf großen Ländern – Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen – hat sich noch nicht viel getan. Dort Druck aufzubauen, ist das Hauptziel der diesjährigen Aktionen.

NRW zählt also zu den großen Baustellen. Woran hakt es?

Frauke Gützkow: Mit der Änderung der Lehrer*innenausbildung 2009 hat die Politik in NRW die Voraussetzungen geliefert für A13 für alle. Seitdem gab es zum einen einen Wechsel der Landesregierung und zum anderen werden Themen kostenintensiver Schulreformen wie zum Beispiel die Rückkehr zu G9 oder die Digitalreform der korrekten Bezahlung von Lehrkräften vorgezogen. Schlussendlich ist es eine Haushaltsfrage. Die Umsetzung schiebt die Regierung so lange vor sich her, bis Gerichte dazu verpflichten. Der Handlungsdruck ist anscheinend noch nicht so groß wie in kleinen oder von Abwanderung betroffenen Ländern.

Eine Abwanderung in besser bezahlende Nachbarländer gibt es also in den fünf großen Ländern noch nicht?

Frauke Gützkow: Jedenfalls noch nicht in großem Ausmaß. Die Höhergruppierung hat durchaus Einfluss darauf, wo Lehrkräfte arbeiten wollen und wo nicht. Die GEW Bremen – wo A13 erst im Frühjahr vereinbart wurde – stellt bereits fest, dass weniger Lehrkräfte einen Antrag auf einen Wechsel nach Niedersachsen stellen. Aus Sachsen hören wir, dass wieder mehr ausgebildete Lehrkräfte eingestellt werden können.

Warum sollten die Mitglieder in den Ländern, die schon Erfolg mit ihren Forderungen hatten, weiterhin aktiv bleiben?

Frauke Gützkow: Erstens: um ihren Erfolg zu feiern! Das ist tatsächlich ein wichtiger Appell. Wenn ihr Erfolge erzielt habt, sprecht darüber, dass das ein langer Weg war und was ihr erreicht habt. Denn wie schnell kommen Kolleg*innen neu an die Schulen und meinen, es hätte schon immer A13 gegeben? Insofern ist wichtig, immer wieder deutlich zu machen, was Gewerkschaften leisten – und wie sinnvoll es ist, sich zu engagieren. Zweitens war die GEW natürlich bisher so erfolgreich, weil die Gewerkschaft in allen Bundesländern JA13 beackert. Solidarität ist wichtig.

Wie hat der GEW-Hauptvorstand die Aktionen in diesem Jahr vorbereitet?

Frauke Gützkow: Wir sorgen für Transparenz, Austausch untereinander und gute politische Argumente. Wir tragen alle Entwicklungen in den Ländern zusammen und bereiten diese online übersichtlich auf. Dieses Jahr haben wir wieder einen Aktionsworkshop veranstaltet, mit Kolleg*innen aus neun Landesverbänden, aus Grundschulen und der Sekundarstufe I sowie dem Bundesfrauenausschuss. „JA13 auf der Überholspur“ lautete der Titel, es wurde an Aktionsformen, Videos und Share Pics für die sozialen Medien sowie an Flugblättern gearbeitet. Das hat viel Mut gemacht.

Was genau macht Mut?

Frauke Gützkow: Es zeigt sich immer mehr, dass JA13 ein Mainstream-Thema innerhalb der GEW ist. Die Forderung nach Entgeltgleichheit wird mit immer mehr gewerkschaftlichen Handlungsfeldern verknüpft: mit den gestiegenen Anforderungen und Arbeitsbelastungen, mit dem Lehrkräftemangel, der unzureichenden Ausstattung von Grundschulen. JA13 wird gekoppelt an Werte wie Gerechtigkeit und die Beendigung der Benachteiligung von Frauen. Dass die Kolleg*innen sagen: „Da mache ich mit, da will ich dabei sein“, ist ein Grund und eine zentrale Voraussetzung für unseren Erfolg.


Die Fragen stellte Jeanette Goddar.

Foto: K. Herschelmann

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