die daktiker: „Die Wirklichkeit ist bereits Kabarett.“

Quartett feiert Jubiläum

Sie sind das dienstälteste Lehrer*innenkabarett Deutschlands: die daktiker – das sind Brigitte Lämbgen, Hans Peter Königs, Andreas Boxhammer und Hermann-Josef Skutnik. Ende 2019 feierte das Quartett sein 35-jähriges Bühnenjubiläum und plaudert mit uns aus dem Nähkästchen.

35 Jahre die daktiker – wird euch gar nicht langweilig?

Hans Peter Königs: Nein, eindeutig nein. Schule, Schulpolitik, die unterschiedlichen Hierarchieebenen wie Schulleitung, Bezirksregierung und Schulministerium, die kleinen „Nettigkeiten“ unter Kolleg*innen, das Verhalten der Schüler*innen und das Verhältnis zu ihnen – all das ist ein fast unerschöpfliches Universum.

Wie habt ihr damals zueinander gefunden? Was hat euch motiviert, mit den Geschichten aus dem Adolphinum auf die Bühne zu gehen?

Andreas Boxhammer: Ganz einfach, wir haben als Referendare in Bielefeld gemeinsam in einer WG gelebt, außer Brigitte Lämbgen, die erst später zu uns stieß. Eigentlich wollten wir damals lediglich im Rahmen der Pädagogischen Woche im Studienseminar als WG etwas beisteuern. Wir haben uns gedacht, dass wir das, was wir im Referendariat tagtäglich erlebten, mal ironisch-satirisch in Sketchen und Liedern zum Besten geben. Hans Peter Königs hatte bereits Bühnenerfahrung, was natürlich sehr hilfreich war. Außerdem spielt jede Person von uns mindestens zwei Instrumente.

Es war ursprünglich nur ein Auftritt geplant – ohne Anlage, ohne jegliche technische und elektronische Ausrüstung. Aber unser damaliges Programm hat sich über Mund-zu-Mund-Propaganda weitergetragen. Da dachten wir: Okay, wir machen weiter.

Nach dem Referendariat erfanden wir Anfang der 1990er-Jahre unser Adolphinum, das traditionsreiche städtische Gymnasium. Dort tummeln sich bestimmte Lehrer*innen-Typen mit ihren persönlichen Macken und Vorlieben, die sicherlich alle in ähnlicher Form in seinem Schüler*innen- und Lehrer*innenleben kennengelernt haben. In diesen Typen spiegeln sich die schulische und allgemeinpolitische Entwicklung wider.

Nach so langer Zeit mit euren Bühnencharakteren: Was habt ihr ganz persönlich mit den Figuren gemeinsam?

Brigitte Lämbgen: Es ist schon komisch: Natürlich ertappen wir uns bisweilen in unserem eigenen schulischen Alltag dabei, dass das Kabarett die Realität außen überholt. Das ist uns allen schon passiert. Gleichzeitig ist das aber auch die Basis für all die Programme, die wir geschrieben haben: Wir profitieren davon, dass wir selbst mitten im schulischen Alltag stehen und damit beste Vorlagen erhalten. Wir alle hoffen, dass wir nach vielen Jahren in der Schule nicht ganz so schrullig geworden sind wie manche der Charaktere abends auf der Bühne. Im Kabarett sind das aber natürlich auch Überzeichnungen.

Woher kommen die Geschichten, die ihr auf der Bühne erzählt? Wie viel haben sie mit eurem eigenen Alltag als Lehrer*innen zu tun?

Hans Peter Königs: Zum einen bietet unser Alltag einen Fundus an Situationen, Positionen und politischen Einstellungen, die wir kabarettistisch aufgreifen. Insofern sind die Geschichten aus dem Adolphinum unseren eigenen Erfahrungen geschuldet. Zum anderen setzen die Schulpolitik und die Verlautbarungen aus Düsseldorf oft Marken, die man ja selbst schon als Kabarett verstehen könnte. Die Wirklichkeit ist ungewollt bereits Kabarett.

Wie haben sich eure Themen im Laufe der Jahre verändert?

Hermann-Josef Skutnik: In den 35 Jahren, in denen wir Schulkabarett machen, haben sich die Rahmenbedingungen deutlich gewandelt. Pädagogische Ansätze haben sich verändert. Immer wieder sind unter dem Logo des neuesten und effektiveren Lernens und Unterrichtens pädagogische Säue durchs Dorf getrieben worden, über die man nur noch den Kopf schütteln konnte, nach dem Motto: Das hatten wir doch schon einmal. Und alle haben mitgemacht. Der Bereich der gerade angesagten Schulpädagogik wird oft sehr dogmatisch und krampfhaft, bisweilen auch inquisitorisch durchgepeitscht.

Hinzu kommt: Das Dokumentieren schulischer Vorgänge, das für alle Lehrer*innen dazugehört, hat ein Ausmaß angenommen, das man schon fast wahnhaft nennen könnte. Das alles vor dem Hintergrund, juristisch nicht angreifbar zu sein. Es hat sich ein Überbietungswahn der Schulen untereinander Bahn gebrochen, welche Schule nun die bessere am Ort ist. Und alle kochen nur mit Wasser.

Wir planen gerade ein neues Programm. Dabei mussten wir feststellen, dass sich manche Themen lediglich in ihrer sprachlichen Ausgestaltung, nicht jedoch im Kern gewandelt haben: Was ist eine gute Schule? Wie definieren wir Bildung? Das sind die Leitfragen, denen wir uns im neuen Programm stellen wollen. Dabei dürfen natürlich Themen wie Chancengleichheit, die Anforderungen, die die Wirtschaft und andere Lobbyisten an Schule stellen, Digitalisierung oder die Mängelverwaltung nicht fehlen.

Wer einen Abend mit euch verbringt, möchte ja erst mal vor allem eins: Spaß haben. Sollen eure Programme noch mehr in euren Zuschauer*innen auslösen?

Brigitte Lämbgen: Der Spaß ist selbstverständlich wichtig. Das Lachen über das, was man tut, um eine gesunde Distanz zu bestimmten Dingen zu bekommen, ist geradezu lebenswichtig. Außerdem: Lachen befreit. Deswegen haben wir ja ein Motto: „… auch Lehrer können lachen.“

Gleichzeitig transportieren wir Inhalte, die wir für kritikwürdig halten, und regen vielleicht auch ein wenig zum Nachdenken an. Meistens aber gehen ohnehin die Menschen ins Kabarett, die man nicht mehr missionieren muss – wobei missionieren auch immer fragwürdig wäre. Wir verstehen uns nicht als Missionar*innen.

Wenn ihr zurückschaut: Machen euch 35 Jahre die daktiker stolz? Und wie soll es weitergehen?

Hermann-Josef Skutnik: Ob wir stolz sind? Wir würden eher sagen, wenn es keinen Spaß mehr bereitet, auf der Bühne zu stehen, sollte man es sein lassen. Jedes Publikum ist anders. Jedes Publikum ist es wert, dass wir unser Bestes geben. Man kann keinen Auftritt einfach so abreißen und fertig. Deswegen freuen wir uns schon jetzt auf die Herausforderung eines neuen Programms, das im November 2020 zur Premiere in Lippstadt gebracht werden soll.


Die Fragen stellte Anja Heifel-Rohden.

Fotos: die daktiker

 

 

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